Aktuelles aus der Fachliteratur

 

Arthritis Rheum 43: 495-505 (2000)
Treatment with Leflunomide slows radiographic progression of rheumatoid arthritis

Leflunomid Therapie verlangsamt radiologische Progression der rheumatoiden Arthritis

J.T. Sharp, V. Strand, H. Leung et al. im Namen der Leflunomide Rheumatoid Arthritis Investigators Group


Zusammenfassung

Ziel: Untersuchung, ob die Therapie mit Leflunomid (LEF), Methotrexat (MTX) oder Sulfasalazin (SSZ) über 6-12 Monate die radiologische Progression verlangsamt, und Identifizierung klinischer Variablen, die mit radiologischer Progression korrelieren.

Methoden: In drei randomisierten kontrollierten Studien (US301: LEF vs. MTX vs. Placebo (PLC) 3:3:2, n=482 Pat., Dauer 12 Monate; MN301: LEF vs. SSZ vs. PLC 3:3:2, n=358, Dauer 6 Monate, aktive Kontrollarme 12 Monate; MN302: LEF vs. MTX, n=999, Dauer 12 Monate) wurden Röntgenaufnahmen der Hände und Füße angefertigt zu Beginn, bei Studienende oder zum Zeitpunkt des vorzeitigen Studienabbruchs. Die Auswertung der bezüglich Sequenz und Therapiearm geblindeten Aufnahmen erfolgte durch Scoren der Erosionen und der Gelenkspalt Verschmälerung (intention to ‑ treat Analyse).

Ergebnisse: LEF, MTX und SSZ Therapie verzögert die radiologische Progression gegenüber einer PLC Therapie signifikant bei Analyse nach 6 und 12 Monaten. US301: LEF vs. PLC p=0,0007 und MTX vs. PLC p=0,0196; Studie MN301: LEF vs. PLC p=0,0004 und SSZ vs. PLC p=0,0484. Der Effekt der LEF Therapie war ähnlich dem einer MTX  oder SSZ Behandlung.

Schlussfolgerung: Dies sind die ersten 6  und 12 Monats Daten randomisierter PLC  und aktive drug kontrollierter Studien, die eine Verlangsamung der radiologischen Progression zeigen durch sowohl Leflunomid, einem neuen disease modifying antirheumatic drug (DMARD), als auch durch zwei häufig eingesetzte DMARDs, MTX und SSZ.

 

Kommentar

Mit zunehmend effektiveren zur Verfügung stehenden Medikamenten werden auch die Ziele einer Therapie höher gesteckt. So ist in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) nicht nur eine Linderung von Schmerzen und Rückbildung von entzündlichen Gelenkschwellungen anzustreben, Ziele müssen die Verhinderung der Gelenkzerstörung und Erhalt der  Funktion sein. Entsprechend formulierte auch die OMERACT  (Outcome Measures in Rheumatology Clinical Trials) Konferenz den Konsens, dass künftige Medikamente, die den Anspruch erheben, krankheitsmodifizierend (DMARD) oder sogar  kontrollierend (DCARD) zu sein, den Nachweis der radiologischen Progressionsverlangsamung erbringen müssen. 

Leflunomid (Arava®, Aventis Pharma) wurde vor kurzem zugelassen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und erwies sich in den Zulassungsstudien als gut verträglich mit einer Wirksamkeit, die vergleichbar war mit SSZ und mit MTX in den durch die Studien vorgegebenen relativ niedrigen Dosierungen. Die vorliegende Arbeit wertet die drei genannten Zulassungsstudien nun bezüglich radiologischer Progression aus. Trotz intention to treat  Analyse (aus der Placebo Gruppe wechselten nahezu zwei Drittel zu einer aktiven Behandlung), relativ kurzer Beobachtungsdauer (maximal 12 Monate) und teilweise langjährig bestehender RA (31-46% der LEF behandelten Patienten hatten eine Krankheitsdauer >5 Jahre, 30% in der MN301 Studie sogar >10 Jahre) konnte ein statistisch signifikanter Effekt der jeweiligen DMARD gegenüber Placebo bezüglich Verlangsamung der radiologischen Progression gezeigt werden. Absolut gesehen ist dieser Effekt allerdings klein: als Progression wird bezeichnet, wenn der Sharp Score (maximal erreichbarer Wert 422) um mehr als drei Einheiten ansteigt. Dies geschah in den Behandlungsgruppen in 3-11% der Fälle, in der Placebo ‑ Gruppe in 12-17%. Unterschiede zwischen SSZ, MTX und LEF bezüglich radiologischer Progressionshemmung konnten nicht gezeigt werden. Zusammenfassend kann Leflunomid nach den vorliegenden Daten als weiteres Medikament in die Gruppe der Progressions hemmenden Langzeittherapeutika aufgenommen werden. Welchen Stellenwert es auf der Wirksamkeits Skala im Vergleich zu MTX, SSZ, i.m. Gold, Cyclosporin A, anti TNF und Interleukin 1 Rezeptor Antagonist einnimmt, können nur vergleichende Studien zeigen.

Dr. A. Engel, OA Innere Medizin I
  Universitätskliniken des Saarlandes, Homburg

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