| Aktuelles aus der Fachliteratur |
N Engl J Med 345: 85-92, 2001
Two
controlled trials of antibiotic treatment in
patients with persistent symptoms and a history of Lyme disease
Zwei kontrollierte Studien zur antibiotischen Therapie von Patienten mit
persistierenden Symptomen nach durchgemachter Borreliose
Klemper
et al.
Zusammenfassung
Hintergrund/Frage: Es wird kontrovers diskutiert, ob eine prolongierte antibiotische Therapie bei Patienten mit durchgemachter und nach den Richtlinien antibiotisch adäquat behandelter Borreliose bei Beschwerdepersistenzeffektiv ist.
Methode: Es wurden zwei randomisierte Studien durchgeführt. Eine mit 78 Patienten mit positivem IgG für Borrelia burgdorferi zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses, die andere mit 51 Patienten mit unauffälliger Borrelienserologie.
Die Patienten erhielten entweder Ceftriaxon 2g/Tag i.v. über 30 Tage, gefolgt von Doxycyclin 2x 100mg täglich über 60 Tage oder aber i.v. und oral Plazebo.
Jeder Patient hatte eine gut dokumentierte und vorbehandelte Borreliose mit persistierenden muskuloskeletalen Schmerzen, neurokognitiven Symptomen oder Dysaesthesie, häufig verbunden mit Müdigkeit. Die primären Endpunkte der Studie waren die Verbesserung des physischen und psychischen Gesundheitszustandes - gemessen mit SF - 36 - einer Skala mit der die gesundheitsbedingte Lebensqualität am 180. Tag gemessen wurde.
Ergebnisse: Eine Zwischenanalyse an Tag 180, die auf die Daten von bereits 107 Patienten zurückgreifen konnte zeigte für keine der beiden Studien einen deutlichen Trend oder ein Signifikanz hinsichtlich der Wirksamkeit auf die beklagten Symptome bzw. der Lebensqualität (HAQ, FIQ),so dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Base - line Auswertungen haben eine signifikante Verschlechterung in der Lebensqualität gezeigt. Bei der Intention - to - treat - Analyse wurden keine Unterschiede zwischen prolongierter Antibiotika - Therapie und Plazebo gefunden, weder zwischen sero (+) noch sero (-) Patienten.
Schlussfolgerung: Es wird eine relevante Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Patienten beobachtet, die bereits wegen akuter Borreliose und mit Antibiotika vorbehandelt waren und persistierende Symptome zeigten. Jedoch zeigte die Therapie mit i.v. und oralen Antibiotika für 90Tage, keinen Unterschied gegenüber Plazebo.
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Kommentar Bei Patienten mit chronischen Myalgien und Arthralgien sollte eine positive Borreliose - Serologie nicht einfach zu einer potentiell gefährlichen Antibiotikatherapie führen. Gerade in Endemiegebieten (z.B. der Schönbuch) ist bei einem erheblichem Anteil der gesunden Bevölkerung eine positive Borrelienserologie zu finden (15-20%!). Bei Patienten mit Borreliose verbleibt auch nach ausreichender Therapie nicht selten eine Seronarbe mit wechselndem Titer. Es gibt nach verschiedensten Infektionen lang andauernde, diffuse Schmerzsyndrome mit neurokognitiver Beeinträchtigung. Dies ist - insbesondere bei der Borreliose - jedoch nicht als Zeichen einer floriden Infektion zu interpretieren. Die Ähnlichkeit der Symptome mit denen der Fibromyalgie legen eine analoge Therapie nahe. Eine antibiotische Therapie einer vermeintlichen Borreliose ohne Vorliegen der anerkannten Symptome und gegebenenfalls serologischem oder molekularbiologischem Nachweis des Erregers ist nicht ungefährlich und sollte unterbleiben. Dr. C. C.
Amberger |
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