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J Rheumatol 28: 595-600, 2001
Antibodies
against serotonin have no diagnostic relevance in patients with fibromyalgia
syndrome
Antikörper gegen Serotonin haben keine diagnostische Bedeutung bei Patienten
mit Fibromyalgie - Syndrom
E. Werle, H.P. Fischer, A. Müller et al.
Zusammenfassung
Ziel der Studie war, die Prävalenz und mögliche diagnostische Relevanz von Antikörpern gegen Serotonin, Thromboplastin und Gangliosid Gm1 bei Patienten mit Fibromyalgie - Syndrom (FM) zu bestimmen.
Methoden: Seren von 203 Patienten mit FM und 64 schmerzfreien Kontrollpersonen wurden mittels Enzymimmunoassay getestet. Klinische und psychometrische Daten der Patienten wurden mit dem Nachweis von Autoantikörpern korreliert.
Ergebnisse: Im Vergleich zu den Kontrollpersonen hatten Patienten mit FM signifikant häufiger Antikörper gegen Serotonin (20% vs. 5%; p=0,003) und Thromboplastin (43% vs. 9%; p<0,001), aber nicht gegen Gm1 (15% vs. 9%; p=0,301). Ein Einfluss von Alter und Geschlecht auf diese Unterschiede in der Autoantikörperhäufigkeit zwischen Kontrollen und FM - Patienten konnte ausgeschlossen werden. Es gab keine Assoziation zwischen Antikörpermuster und klinischen oder psychometrischen Daten, d.h. Schmerzen, Depression, schmerzbedingten Angstzuständen und Aktivitäten des täglichen Lebens.
Schlussfolgerung: Antikörper gegen Serotonin und Thromboplastin haben bei Patienten mit FM eine erhöhte Prävalenz. Die pathophysiologische Bedeutung dieser Befunde ist nicht bekannt. Eine Berechnung der positiven prädiktiven Werte der Anti - Serotonin - Antikörper zeigt, dass die Bestimmung dieser Antikörper keine diagnostische Bedeutung hat.
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Kommentar Die Autoren bestätigen in dieser Arbeit frühere Beobachtungen, dass Antikörper gegen Serotonin (und Thromboplastin) bei Patienten mit FM signifikant häufiger vorkommen als bei Kontrollpersonen; allerdings finden sie die Antikörper nur in 20% der Patienten, und auf Grund einer komplexen Berechnung schließen sie - wie auch im Titel der Arbeit hervorgehoben -, dass diese Antikörper keine diagnostische Bedeutung haben. In früheren retrospektiven
Verlaufsstudien wurden die Antikörper gegen Serotonin bei 73% von 100
FM - Patienten gefunden, 54% hatten Antikörper gegen Thromboplastin. In
späteren ,Punktanalysen' in Patientenkollektiven aus verschiedenen Ländern
und Städten wurden sie nur bei 20-61% (Antikörper gegen Serotonin)
bzw. 26-36% (Anti - Thromboplastin - Antikörper) nachgewiesen.
Insbesondere die Anti - Serotonin Antikörper können jedoch
fluktuieren, so dass wir sie Die FM gehört zu einem übergeordneten Syndrom, das als ,funktionelles somatisches Syndrom' bezeichnet wurde, und zu dem z.B. auch das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), das Colon irritabile oder das ,multiple chemical sensitivity Syndrom' gerechnet werden. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Antikörper gegen Serotonin, Phospholipide und Ganglioside nicht nur bei FM sondern auch bei Patienten mit Erkrankungen und Symptomen, die zu diesem Formenkreis gehören (wie z.B. bei Patienten mit Depression, Migräne, Endometriose, Colon irritabile, Innenohrschwerhörigkeit oder dem ,restless - legs' - Syndrom) in 25-50% nachweisbar sind. Wie es für die meisten Autoantikörper - assoziierten Erkrankungen gilt, ist auch für die Antikörper bei diesem neuroendokrinologischen Symptomenkomplex der auslösende Mechanismus unbekannt. Eine häufig angeführte Erklärung ist das ,molecular mimicry', das zu einem Toleranzverlust gegenüber Autoantigenen führt. Hierzu würde passen, dass das FM und insbesondere auch das CFS häufig durch infektiöse Agenzien präzipitiert wird. Ferner ist bekannt, dass Autoreaktivität ein physiologischer Vorgang ist. Insofern ist die Tatsache, dass die FM - assoziierten Antikörper auch bei gesunden Individuen nachweisbar sind, nicht überraschend. Denkbar ist, dass diese Antikörper zu dem ,Pool' der natürlich vorkommenden Antikörper gehören, die vorwiegend in die ,first line defense' gegenüber bakteriellen oder viralen Infektionen oder chemische Substanzen involviert sind. Da es sich bei dem FM um ein sehr heterogenes Krankheitsbild handelt, möglicherweise auch mit unterschiedlichem genetischem Hindergrund, könnte der Nachweis von Autoantikörpern eine Subgruppe mit autoimmuner Disposition charakterisieren. Dies würde auch die unterschiedliche Häufigkeit der Antikörper in verschiedenen Patientenkollektiven erklären. Bei einer entsprechenden klinischen Konstellation dürfen daher die Antikörper gegen Serotonin, Ganglioside und Phospholipide unserer Erfahrung nach durchaus als diagnostisches Kriterium für Erkrankungen des neuroendokrinologischen Formenkreises herangezogen werden. PD Dr. R. Klein |
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