Aktuelles aus der Fachliteratur

Arthritis Rheum 44: 1155-59, 2001

Inflamed shoulder structures in polymyalgia rheumatica with normal erythrocyte sedimentation rate
Entzündete Schulterstrukturen bei Polymyalgia rheumatica mit normaler Blutsenkungsgeschwindigkeit

F. Cantini, C. Salvarani, I. Olivieri et al.


Zusammenfassung

Hintergrund: Untersuchung der entzündlichen Beteiligung von artikulären und extraartikulären Schulterstrukturen bei Patienten mit Polymyalgia rheumatica (PMR) mit normaler Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) bei Stellung der Diagnose.

Methodik: Fall - Kontroll - Studie. Alle Patienten, bei denen neu eine PMR mit normaler BSG (<40mm/Std) innerhalb einer 6 monatigen Periode diagnostiziert wurde (unbehandelt). Kontrollen: 12 aufeinanderfolgende, unbehandelte PMR - Patienten mit einer BSG >40mm/Stunde. Vor Beginn der Kortikosteroid - Therapie wurden alle Fall - Patienten und alle Kontroll - Patienten einer bilateralen Schultersonographie (US) und Magnetresonanztomographie (MRT) unterzogen. MRT und US wurden unabhängig von 2 Radiologen ausgewertet (verblindet bezüglich der gegenseitigen Ergebnisse).

Ergebnisse: 6 Fall - Patienten (4 männlich, 2 weiblich) und 12 Kontrollen (4 männlich, 8 weiblich) wurden miteinander verglichen. Bei allen 6 Fall - Patienten und 11 von 12 Kontroll - Patienten (p nicht signifikant) zeigten sowohl MRT als auch US eine bilaterale subacromiale/subdeltoideale Bursitis. Eine Synovitis des glenohumeralen Gelenkes fand sich bei 4 der 6 „Fälle“ (67%) im MRT und 3 von 6 mit US (67%), bei 8 von 12 Kontrollen (67%) im MRT und 7/12 Kontrollen im US (58%). Sowohl im MRT, als auch im US zeigte sich eine Bizeps - Tenosynovitis bei 5 von 6 Fall - Patienten (83%) und 8 von 12 Kontroll - Patienten (67%). Die Schwere der Bursitis unterschied sich zwischen beiden Gruppen nicht signifikant. Die Sonographie war bezüglich der Detektion entzündlicher Schulterveränderungen genauso effektiv wie die MRT.

Schlussfolgerungen: MRT und US - Studien zeigen, dass P- MR - Patienten mit normaler oder hoher BSG ähnliche entzündliche Schulterläsionen haben. Darüberhinaus repräsentiert die bilaterale subacromiale/subdeltoideale Bursitis das Kenzeichen in der Bildgebung bei Patienten mit PMR und normaler BSG. MRT und US der Schulter könnten die Diagnosestellung bei Patienten mit typischen proximalen Symptomen einer PMR, aber normaler BSG erleichtern.

 

Kommentar

Trotz der kleinen, nicht repräsentativen Fallzahl zeigt diese Studie, dass bei Patienten mit Symptomen einer PMR und fehlenden serologischen Entzündungszeichen (immerhin 7-20% aller PMR - Fälle) US und/
 oder MRT zur frühzeitigen Diagnosestellung beitragen können, indem eine Entzündung insbesondere im Bereich der Bursa subacromialis oder subdeltoidea nachgewiesen wird. Da dies genauso gut mit der Sonographie wie mit dem MRT gelingt, reicht die wesentlich kostengünstigere Sonographie als Screeningverfahren aus. Entzündliche Veränderungen des glenohumeralen Gelenkes sind mit dem MRT besser nachzuweisen als mit der Sonographie, so dass im Falle einer unauffälligen Sonographie bei für PMR typischer Symptomatik und fehlenden Entzündungszeichen eine MRT erwogen werden sollte. Eine Studie an einer größeren Patientenzahl wäre jedoch wünschenswert, bevor man die Entzündung im Bereich des Schultergelenkes und die Sonographie der Schulter in die Diagnosekriterien bzw. Diagnostik der „seronegativen“ PMR aufnimmt/einbezieht.

Dr. I. Kötter, OÄ
Med. Klinik u. Poliklinik II, Tübingen

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